Neues Märchenbuch 

in altdeutscher Schrift

Fraktur online zur Probe lesen

Wenn Ihnen das Schriftbild gefällt, können sie ein neues Buch in dieser schönen alten Schrift bestellen.


Hier finden Sie das Märchen "Hanamona" in altdeutscher Schrift. Es ist ein eher kurzes Märchen über Armut. Wenn Ihnen die alte Deutsche Schrift, Fraktur, gefällt, können Sie sich neun moderne Märchen in einer schönen Prosa mit poetischen Elementen in dieser wunderschönen alten Schrift bestellen. Gebundene Ausgabe mit Lesebändchen - Titel: Ma Carpédiem - Naporras Märchen in Sütterlin Druckschrift. Gerne nutzen Sie auch die Buckvorschau im Amazon-Shop. Hier.

(Tipp!  Moderne Märchen finden und nach Worten durchsuchen,
mit der Märchen-Suchmaschine  /  Die Homepage der Autorin: www.b-naporra.de)



Märchen-Text in Frakturschrift lesen:
Hanamona
 
Es war in der Zeit nach den großen Kaisern, in denen der Krieg und die Gier der Fürsten das Reich ausgeblutet hatten. Die Menschen waren arm, und der Kaiser hatte Mühe, die Armen und Entwurzelten, die in die Stadt geflohen waren, zu ernähren und seinen Zinsgroschen einzutreiben. Am Rande der Stadt, da wo einst ein kleiner Wald stand, lebte Hanamona. Seit der Feuersbrunst, welche die Hälfte der Stadt an einem schwarzen Tag verschlungen hatte, war sie eine Witwe. Ihre drei Kinder und ihr Mann haben im Wald, in den Flammen, ihr Leben gelassen. So ging sie, wie so viele in diesen Jahren, an jedem Tag nach Neumond zum Stadthalter, um sich ihr Almosen zu holen. Vier Silberlinge, das war die Summe, die der Kaiser den Armen zum Überleben zugestand.  Da sprach der Stadthalter zur Witwe: „Frau, du scheinst mir tauglich, dem Kaiser Frondienst zu leisten. Bei Tagesanbruch wirst du in seinen Garten gehen, und dann wirst du so tun, wie dir befohlen wird. Wenn die Mittagssonne sich geneigt hat, wirst du in dein Haus zurück gehen. Erweist du dich als tüchtig, so will ich dir zwei Groschen dafür geben.“  So ging Hanamona an jedem Morgen in den Garten des Kaisers, und sie sang fröhlich bei der Arbeit. Als sie zum Stadthalter ging, um ihr Almosen zu holen, sprach dieser: „Einen fleißigen Tagelöhner hast du dir zum Gefährten genommen. An jedem Neumond zählt er sechs Silberlinge. Zwei Silberlinge will ich dir daher einbehalten. So bleiben jedem von euch vier Silberlinge. Das ist die Summe, die der Kaiser als Almosen gibt. Das genügt, zum Überleben.“ Da klagte Hanamona vor ihrem Gefährten: „Mein Liebster, hart arbeitest du im Schweiße deines Angesichts. Doch mehr als dem Bettler, der den ganzen Tag im Tor sitzt, soll dir nicht bleiben.“  Als die Mittagssonne sich wie an jedem Tag neigte, und als die Wachen müde in den Eingängen zum Palast saßen, stahl die Frau einen Arm voll junger Hanf-Pflanzen, legte ihren Mantel darüber und ging eilends in ihr Haus. Als der Tag hinter dem Horizont versank, pflanzte sie den jungen Hanf im Garten hinter ihrem Haus, und bevor die Sonne am Himmel empor stieg benetzte ihn der Morgentau.
Die Pflanzen wuchsen und wurden  prächtig. Sie trocknete den Hanf auf dem Dachboten, und wenn die Kaufleute an ihrem Haus vorüber zogen, rief sie nach ihnen, und dann gab sie den Händlern die Bündel mit den getrockneten Pflanzen mit.
Die weise Frau aber sprach sodann zu ihrem Gefährten: „Viele Augen hat der Kaiser. Sie sind überall. Lass mich zum Stadthalter gehen, und ihm von dem Hanf in meinem Garten berichten.“ Sie bat den Stadthalter: „Einen halben Silberling gaben die Kaufleute mir. Stadthalter, lass mir den halben Silberling, damit ich mein Dach abdichten kann, wenn der Tag kommt, an dem es in mein Dach herein regnen wird.“ Der Stadthalter aber erklärte hart: „So ist der Erlass des Kaisers. Meinen Zinsgroschen sollst du sparsam verwalten, denn der hungrigen Mäuler sind es viele. Frau, den halben Silberling werde ich dir berechnen. Statt der zwei Silberlinge will ich dir einen und einen halben Silberling geben. Und wenn der Tag kommt, an dem es in dein Dach hinein regnet, will ich dir das Geld für die Ziegel und für den Lohn der Handwerker geben.“ Da sagte die Frau: Guter Stadthalter. Mein undichtes Dach will er mir abdichten. Und der Stadthalter sprach: Löbliche Frau. Tüchtig ist sie, und sparsam geht sie mit dem Zinsgroschen um, der des Kaisers ist.
Wie an jedem Tag boten die Kaufleute  ihre Waren auf dem großen Marktplatz feil. Zu ihnen kamen auch die Wachen des Kaisers, und sie bezahlten gut für den Hanf.

Die Tochter des Kaisers aber schlich sich heimlich zu den Unterkünften. Es war ihr wohl gestattet, von den Vorräten zu nehmen, wo nach auch immer ihr Herz verlangte, doch der Hanf war ihr verboten. Heimlich nahm das neugierige Kind ein wenig von Kraut. So kam, was niemals hätte kommen dürfen. Das Kind fiel in einen Schlaf von dem es nicht mehr erwachte. Der Kaiser und der ganze Hofstaat waren bekümmert. Untröstlich. Die Tränen des Kaisers waren ungezählt. Da schrie er mit allem Schmerz seines Herzens bis über die Grenzen seines Reichs hinaus: „Tod den Hanfbauern und den Ihrigen.“  Schnell drang diese Kunde auch an das Ohr der Witwe. Da riss sie alle Hanf-Pflanzen aus ihrem Garten heraus und verbrannte sie des Nachts im Ofen. Am folgenden Neumond ging sie wieder zum Stadthalter und brachte ihm folgende Nachricht mit: „Den Hanf habe ich aus meinem Garten gerissen. Guter Stadthalter, höre mein Flehen. Schweige du vor dem Kaiser wegen meiner Schuld. Nie mehr will ich den Kaufleuten Hanf anbieten. Du aber sei mir gnädig, und gib mir den halben Silberling zurück. Das war der Preis, den die Kaufleute mir bezahlten.“ Da versprach der Stadthalter: „Gute Frau, ein löbliches Weib bist du. So will ich dir zwei Silberlinge geben. Dein treuer Gefährte und du, so habt ihr ein jeder vier Silberlinge. Das möge euch genügen.“ Die Frau nahm die zwei Silberlinge, dankte, und ging zu ihrem Haus. Als sie den Garten hinter dem Haus betrat, öffnete sich ihr Herz mit Freude. Da blühten, rot und wunderschön, tausend wilde Mohnblumen. Und als sie abgeblüht hatten, sammelte die Frau ihre schwarzen Samen und trocknete sie auf dem Dachboden. Und in jedem Jahr streute sie Samen auf die Erde, und es blühte der wilde Mohn, und sie lachte und sprach zu ihrem Gefährten: „Sieh, wie schön. Er blüht nur zur Freude meiner Augen.“

Hanamona ist erschienen in Märchen der Erinnye, Taschenbuch





.